Bernhard Heiliger: Fünf Erdteile

Bernhard Heiliger: Fünf Erdteile, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2016)

Daten zum Werk

Bernhard Heiliger: Fünf Erdteile (Bronze, 1961).
Stresemannplatz vor der Hauptpost/Neues Rathaus, 24103 Kiel.

Beschreibung

Es war eine mutige Entscheidung, zu Beginn der 1960er Jahre eine solche Plastik mitten in der Landeshauptstadt aufzustellen. Schaut man sich an, welche Kunstwerke zu dieser Zeit beliebt waren und öffentliche Gebäude oder Plätze zierten, so dominierten ganz eindeutig hübsche und realistische Abbildungen von Menschen oder Tieren, darunter oft Gruppen von Kindern oder erwachsene Menschen bei Tätigkeiten aller Art.

Zwar wurde schon seit längerer Zeit in der Kunst mit neuen Themen und neuen Formen der Darstellung experimentiert, doch hatten die meisten Menschen davon wenig mitbekommen. Diese neuartige Kunst begeisterte bis dahin nur ein besonders interessiertes Publikum, während die allgemeine Öffentlichkeit damit wenig anfangen konnte. Darum sorgte die Aufstellung der „Fünf Erdteile“ für Reaktionen zwischen Kopfschütteln und empörter Ablehnung. Erst nach und nach freundete sich eine wachsende Zahl der Bevölkerung mit dem Kunstwerk und der neuen Kunstrichtung an.

Bernhard Heiliger schuf eine freie Form, die zwar entfernte Ähnlichkeit mit einer Gruppe von Menschen hat, aber eigentlich überhaupt nichts darstellen will. Die Bronzefigur experimentiert spielerisch mit der Wirkung von plastischen Formen, die gemeinsam im Raum stehen und aus jedem Blickwinkel unterschiedlich wirken. Da die Figur sehr stark in kleine Teile zergliedert ist, lässt sie viele Durchblicke zu und wirkt dadurch offen und leicht. Bei jedem Wechsel des Standorts sieht der Betrachter neue Details, während andere verdeckt werden.

Das Kunstwerk wurde als Kunst am Bau eigens für das damals neu gebaute Postgebäude am Stresemannplatz geschaffen. Dabei wollte Bernhard Heiliger mit seiner lebhaften Form ganz gezielt einen Kontrast zur sehr klar strukturierten und schmucklosen Architektur schaffen, die von glatten Flächen und klaren Kanten geprägt ist. Während die Form Architektur nüchtern vom Zweck vorgegeben ist, hat die Kunst ausdrücklich keinen Zweck, stellt nichts dar, sondern steht einfach da und fordert den Betrachter heraus.

Künstler/in

Bernhard Heiliger wurde am 11. November 1915 in Stettin geboren. 1930–1933 machte er eine Lehre zum Steinbildhauer, danach bis 1936 eine Ausbildung an der Werkschule für gestaltende Arbeiten in Stettin beim Bauhaus-Schüler Kurt Schwerdtfeger. 1938–1941 studierte er an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Berlin in der Klasse von Arno Breker und hatte Kontakte zu Richard Scheibe und Wilhelm Gerstel. 1945 ließ er sich in Berlin als freier Bildhauer nieder. 1949–1986 war er Professor an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Berlin, berufen von Karl Hofer. Mit seinen Werken war er unter anderem auf der documenta I (1955) und II (1959) in Kassel, der Biennale in Venedig (1956) und der Weltausstellung in Brüssel (1958) vertreten. 1951–1960 war er Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes. Ab den 1960er Jahren wandte er sich zunehmend der abstrakten Kunst zu. Er gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer der Nachkriegszeit. Am 25. Oktober 1995 starb Bernhard Heiliger in Berlin. Weitere Informationen (extern): Website der Bernhard-Heiliger-Stiftung

Galerie

(Bilder anklicken für Großansicht)