Brigitte Denninghoff & Martin Matschinsky:
Seewind

Brigitte Denninghoff & Martin Matschinsky: Seewind, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen)

Daten zum Werk

Brigitte Denninghoff & Martin Matschinsky: Seewind (Edelstahl, 1989).
Neues Rathaus, Fabrikstraße/Kaistraße, 24103 Kiel.

Beschreibung

Zwei stählerne Elemente bilden vor dem Neuen Rathaus in Kiel gemeinsam eine dynamische Form, die an zwei kraftvoll verbogene und miteinander verbundene Röhren erinnert. Der obere Teil wirkt fast völlig losgelöst und wird nur am winzigen Berührungspunkt in Balance gehalten. Welche Kräfte hier am Werk gewesen sein müssen, verrät der Titel: Der kräftige Seewind war es, der die Figur geformt hat, ähnlich wie die vom Wind schief gedrückten Bäume an den Küsten.

Natürlich war es nicht tatsächlich der Seewind, sondern es waren die formenden Hände des Künstlerpaares Brigitte Denninghoff und Martin Matschinsky, die hier die Kraft des Windes in eine bildliche Form gebracht haben. Da sich der Wind selbst einer Darstellung entzieht, haben sie das Ergebnis seiner Kraft zum Thema ihrer Arbeit gemacht, nämlich die verformten stählernen Elemente.

Die Mittel der Darstellung sind so reduziert, dass eine weitere Vereinfachung kaum noch möglich scheint. Im Grunde besteht die Skulptur aus nichts weiter als aus zwei Linien im Raum. Um diese Linien stabil zu formen, verwendeten die Künstler eine Vielzahl von dünnen Metallstäben, die miteinander verschweißt wurden und in der matt glänzenden Oberfläche der Form noch sichtbar sind.

Die maximal reduzierte Form und das verwendete Material mit seiner technischen Ausstrahlung unterstreichen, dass hier ein abstrakter Gedanke – das Wirken von Kräften – dargestellt wird und kein mehr oder weniger realistisches Abbild unserer Natur. Mit Hilfe einfacher Linien, also geometrischer Formen, entsteht im Kopf des Betrachters ein komplexes Bild, das einen kräftigen Sturm mit einschließt, obwohl dieser gar nicht gezeigt wird.

Künstler/in

Brigitte Denninghoff wurde am 2. Juni 1923 in Berlin geboren. Sie studierte 1943–1946 an den Kunsthochschulen in Berlin (bei Wilhelm Gerstel) und München und war als Assistentin des Bildhauers Henry Moore tätig. 1959 nahm sie an der documenta II und 1962 an der documenta III bzw. an der Biennale Venedig (1962) teil und war Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Sie starb am 11. April 2011 in Berlin. Ihr Mann Martin Matschinsky wurde am 4. Juli 1921 im badischen Grötzingen geboren. Nach einer Fotografenlehre war er als Schauspieler tätig. Durch die Begegnung mit Brigitte Denninghoff 1952 wandte er sich der Bildhauerei zu. Weltweit gibt es rund 1.100, teils monumentale und trotzdem leicht wirkende gemeinsame Arbeiten, die ab 1970 mit „Matschinsky-Denninghoff“ signiert wurden. Bekannt wurden sie durch eine für sie typische, in den 60er Jahren entwickelten Fertigungsart und Technik: gedrehte, geschwungene, gebündelte und zusammengeschweißte Chromenickelstahl-Röhren. Martin Matschinsky-Denninghoff ist in Berlin als Künstler tätig und benutzt für die Arbeiten weiterhin diese gemeinsame Signatur.

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

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Galerie

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