Jan Koblasa: Nachbar

Jan Koblasa: Nachbar, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2016)

Daten zum Werk

Jan Koblasa: Nachbar (Messingblech, 1972).
Standesamt, Fleethörn/Rathausplatz, 24103 Kiel.

Beschreibung

Auf der Bank vor dem heute als Standesamt genutzten Gebäude schräg gegenüber vom Rathaus sitzt eine abstrakte Form, die entfernte Ähnlichkeit mit einer menschlichen Figur hat. Die Plastik ist etwas größer als ein normaler Mensch und macht einen ruhigen, freundlichen und unaufdringlichen Eindruck, da die Formen sehr stark reduziert und in sich gekehrt sind. Der Platz auf der Bank rechts und links der Figur lädt die Passanten und die Gäste des Standesamts zum Sitzen und Verweilen ein.

Bei ihrer Aufstellung zu Beginn der 1970er Jahre war das verwendete Messingblech noch glänzend und reflektierte die Umgebung, doch über die Jahrzehnte bedeckte eine matte, gräuliche Patina die Oberfläche. Wirkte die Figur damals noch stärker als Fremdkörper vor dem Gebäude, so fügt sie sich heute durch ihre dezente Farbigkeit gut in die Umgebung ein und akzentuiert auf zurückhaltende Art den Platz.

Künstler/in

Jan Koblasa wurde am 5. Oktober 1932 im tschechischen Tabor geboren. Er studierte 1952–1958 an der Akademie der Bildenden Künste in Prag. Nach dem Scheitern des „Prager Frühlings“ 1968 floh er über Mailand nach Nordeutschland. An der Muthesius-Schule in Kiel begründete er 1969 die Bildhauerklasse, die er bis 1998 leitete. 1995 war er Gast der Deutschen Akademie Villa Massimo, Rom. 2002–2005 war er Professor für Bildhauerei an der Prager Akademie der Bildenden Künste. Seit 1958 war er an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt und nahm an internationalen Symposien und Reisen teil. Viele seiner oft politisch oder religiös motivierten Arbeiten finden sich in Kiel und in in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen in Europa, Amerika, Asien und Afrika, darunter mehr als 30 Museen und Sammlungen. Am 3. Oktober 2017 starb Jan Koblasa in Hamburg.

Galerie

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