Max Bill: Tor

Max Bill: Tor, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2016)

Daten zum Werk

Max Bill: Tor (Granit, 1994–1995).
Agentur für Arbeit, Waldstraße 2, 24939 Flensburg.

Beschreibung

Als Mitte der 1990er Jahre in Flensburg das Arbeitsamt auf einem ehemaligen Kasernengelände neu erbaut wurde, gestaltete Bildhauer Max Bill für den Außenbereich eine mehrteilige, minimalistische Skulptur, die sein letztes großes Kunstwerk wurde. Die Skulptur nimmt auf die räumliche Situation von Architektur und Gelände Bezug und strukturiert in streng reduzierter Weise das Gelände. Der alte Exerzierplatz der Kaserne wurde jahrelang von der Öffentlichkeit als frei zugänglicher Park genutzt. Beim Neubau wurde dies aufgegriffen, indem die Gebäude zurückgesetzt gebaut wurden und zur Straßenkreuzung hin ein großer Grünbereich entstand.

Die parkartige Grünanlage wird von der Straße aus über drei Fußwege erschlossen. An jedem dieser drei Zugänge formen sechs gleich große Granitquader ein offenes Tor, wie aus Bauklötzen zusammengefügt. Rechts und links des Wegs liegen zwei Quader in Gehrichtung. Mittig darüber stehen senkrecht zwei weitere Quader, die wiederum zwei waagerechte Quader tragen, welche allerdings um neunzig Grad gedreht wurden und dadurch zueinander weisen, ohne sich zu berühren. Die Abstände wurden exakt vermessen, so dass auch die offenen Zwischenräume sich im Kopf des Betrachters zu strengen Formen vervollständigen lassen: Zwischen den beiden waagerechten Trägern im Kopfbereich hat der Freiraum die Form eines Würfels, der umschlossene Grundriss auf dem Boden bildet ein Quadrat.

Ausgangspunkt der Skulptur ist nicht das Abbild klassischer Bauformen, sondern eine Konstruktion nach strengen mathematischen Regeln. Die Skulptur aus insgesamt 18 gleichen Elementen ordnet und gliedert den umgebenden Raum und lenkt die Besucher von der Straße zum Eingangsbereich. Die gleichförmige Anordnung der Quader an drei Ecken des Parks bildet eine äußere Grenze, die dabei aber offen bleibt und einlädt, statt zu trennen. Die besondere Wirkung des Kunstwerks ergibt sich aus den Kontrasten zwischen Offenheit und Geschlossenheit sowie zwischen der präzisen geometrischen Struktur und der gewachsenen Natur des Parks.

Künstler/in

Max Bill wurde am 22. Dezember 1980 in Winterthur in der Schweiz geboren. 1924–1927 besuchte er eine Lehre zum Silberschmied an der Kunstgewerbeschule Zürich und anschließend 1927–1929 das Bauhaus in Dessau. 1929 zog er nach Zürich/Schweiz und arbeitete dort als Maler, Grafiker, Architekt, Gestalter und Kunsthistoriker. Ab 1931 wandte er sich der geometrisch-konstruktiven Abstraktion zu. 1930–1962 gehörte er dem Schweizer Werkbund an. Zur Verbreitung und Anerkennung der „Konkreten Kunst“ organisierte er 1944 in Basel die erste internationale Ausstellung und gründete im selben Jahr die Zeitschrift „abstrakt konkret“. Er hatte Lehraufträge in Zürich und Hamburg und gilt als geistiger Urheber der 1951 gegründeten Hochschule für Gestaltung in Ulm, die versuchte, die Tradition des Dessauer Bauhauses fortzusetzen. 1959 und 1964 nahm er an der documenta in Kassel teil. Er gilt als ein Hauptvertreter und bedeutender Theoretiker der „Konkreten Kunst“ und als der einflussreichste Schweizer Künstler des 20. Jahrhunderts. Am 9. Dezember 1994 starb Max Bill in Berlin. Weitere Informationen (extern): Website der Max Bill Stiftung / Max Bill bei Welt der Form

Galerie

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