Pierre Schumann: Kniendes Paar

Pierre Schumann: Kniendes Paar, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen)

Daten zum Werk

Pierre Schumann: Kniendes Paar (Bronze, 1979).
Rathaus, Am Gymnasium, 24768 Rendsburg. 

Beschreibung

Über Jahrhunderte waren Künstler bemüht, möglichst realistische Abbilder zu schaffen, je besser man das Vorbild erkennen konnte, umso angesehener waren Künstler und Werk. Als im 20. Jahrhundert die Künstler anfingen, mehr zu experimentieren, entwickelten sich ganz unterschiedliche Richtungen. Bei der Abstrahierung wollten sie austesten, wie weit man ein Vorbild vereinfachen und verfremden konnte, um es immer noch erkennen zu können. Andere Künstler wollten aber gar keine erkennbaren Bilder mehr erzeugen, sondern  ließen ihrer Fantasie freien Lauf und waren begeistern von der Vielfalt der Formen, Farben und Materialien. Oder sie wollten Gedanken und Ideen zeigen, die sich eigentlich gar nicht darstellen lassen.

Das „Kniende Paar“ bewegt sich genau im Grenzbereich zwischen diesen Gruppen. Es lässt sich gut als eine stilisierte, abstrahierte Darstellung zweier Menschen lesen. In anderen Werken hat der Bildhauer Pierre Schumann jedoch erkennen lassen, wie sehr ihn die Wirkung der reinen Form fasziniert hat. Egal ob Möwen wild durcheinander fliegen, zwei Vögel dramatisch miteinander kämpfen oder Menschen einander eng im Arm halten, erzeugte er Bilder, in denen die Form noch wichtiger war als der Inhalt.

Das Interessante an diesen beiden Körpern ist, wie sehr die beiden Formen aufeinander bezogen sind, sich beinahe zu vereinigen scheinen und eine gemeinsame Form bilden. Es fällt auf, dass die Kurven und Linien beider Figuren fast wie Legosteine harmonieren und zusammenpassen. Und so wird deutlich, dass es dem Künstler hier noch stärker um die Darstellung von Harmonie und Innigkeit ging als einfach um ein Abbild zweier Menschen. Wenn ein Paar gut harmoniert, ergänzen sich die Eigenschaften beider Partner, so dass beide gemeinsam noch stärker sind als jeder für sich. Dieser Gedanke der gemeinsamen Stärke wird im Kunstwerk deutlich.

Künstler/in

Pierre Schumann wurde 1917 als Hans-Adolf Peter Schumann in Heide/Dithmarschen geboren. Er lernte den Beruf des Steinmetzes und studierte ab 1947 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Edwin Scharff und ab 1950 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Otto Baum. 1967 erhielt seine Madonna Nera den 1. Preis der Internationalen Biennale von Carrara. Er galt als einer der bedeutendsten Künstler des Landes und war ein international geschätzter Bildhauer der Klassischen Moderne. Sein bevorzugtes Arbeitsmaterial war Marmor, wobei viele Arbeiten auch in Bronze umgesetzt wurden. Sein wesentliches Schaffensprinzip waren die Reduktion und das Gleichgewicht zwischen Masse und Leere. 2007 erhielt er den Norddeutschen Kulturpreis. Pierre Schumann starb 2011 in Eutin.

Galerie

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