Ulrich Behl:
Zeichenkette

Ulrich Behl: Schulfassade, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2016)

Daten zum Werk

Ulrich Behl: Zeichenkette (Aluminiumblech, farbig beschichtet, 1996).
Theodor-Heuss-Schule, Rendsburger Landstraße 127 D, 24113 Kiel.

Beschreibung

Eine Zeichenkette mit vierzehn Elementen in den Grundfarben Gelb, Rot und Blau markiert den Eingangsbereich der Grundschule in Kiel-Hassee. Die Zeichen wirken wie eine verschlüsselte Inschrift, ergeben aber keinen Sinn. Künstler Ulrich Behl hat in seiner Reihung verschiedene Zeichen mit reduzierter, geometrischer Formensprache miteinander verknüpft, die an Formeln und Symbole erinnern, aber zugleich die Erinnerung an bunte Bauklötze wecken.

Kleine Kinder bauen ihre Welt aus solchen bunten Klötzen und nehmen deren Farben und Formen unmittelbar wahr. Im wahren Sinne des Wortes „begreifen“ sie ihre Welt: Was sie mit ihren Sinnen wahrnehmen, prägt ihre Sicht auf die Welt. In der Schule lernen Kinder dann immer stärker den Gebrauch von Symbolen und Formeln kennen, um die Welt zu beschreiben. Den Sinn von Ziffern und Buchstaben muss man lernen, um sie gebrauchen zu können – wie bei einer Geheimsprache. Je älter die Schüler werden, desto stärker lernen sie, abstrakt zu denken und sich vom direkten Abbild der Umwelt zu lösen.

Die Zeichenkette über dem Eingang zur Schule also ist eine Brücke von der frühkindlichen Welt zum Erwachsenwerden. Kinder sehen in erster Linie Formen und Farben, Erwachsene versuchen, den Formen einen Sinn zu verleihen und sie zu entschlüsseln.

Die Gestaltung der Wandskulptur folgt den Vorgaben der Architektur. Entsprechend der Gliederung der Fassade ist auch die Zeichenkette durch die schmalen Säulen unterteilt, so dass die Leerräume wie Wortabstände wirken. Die Symbole sind im oberen Viertel der Fassade unterhalb des Daches montiert und erinnern dort an eine Mischung aus Inschriften alter öffentlicher Gebäude und der Leuchtreklame moderner Einkaufszentren.

Künstler/in

Ulrich Behl wurde 1939 in Arnswalde (Pommern) geboren. 1961–1964 studierte er an der Pädagogischen Hochschule in Alfeld (Leine) u.a. bei Kurt Schwertfeger sowie 1971–1975 Kunstgeschichte an der Universität in Kiel. Seit 1962 beschäftigte er sich mit seriellen Gestaltungen. Seit 1965 war die Handzeichnung sein vorrangiges künstlerisches Medium, seit 1967 arbeitete er im Bereich der Druckgrafik (Schwerpunkt Lithografie) und später mit dem Phänomen Licht. 1967–1968 studierte er an der Werkkunstschule in Hannover, zog 1971 nach Kiel, um dann 1971–1975 Kunstgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zu studieren. Als er sich ab 1977 den Lichtverläufen an geometrischen Strukturen zuwandte, begann seine Zielausrichtung auf die Konkrete Kunst. Seit 1993 ist er Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. 1995 nahm er an der Biennale in Venedig teil und war 1997 Ehrengast in der Villa Massimo, Rom. 2002 gründete er die Kieler Ateliergemeinschaft neunzig Grad. 2016 erhielt er den Kultur- und Wissenschaftspreis der Stadt Kiel. Ulrich Behl lebt und arbeitet in Kiel.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Galerie

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