Walter Rössler: Werftarbeiter

Walter Rössler: Werftarbeiter, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen)

Daten zum Werk

Walter Rössler: Werftarbeiter (Bronze, 1959).
Prinzengarten am Schloss, Wall 80, 24103 Kiel.

Beschreibung

Leicht erhöht auf einem Sockel am Rand der Parkanlage Prinzengarten kniet ein männlicher Arbeiter aus Bronze. Die Skulptur stammt vom Bildhauer Walter Rössler und entstand auf Initiative des damaligen Werftdirektors, der die Leistungen seiner Mitarbeiter in Form eines Denkmals würdigen wollte.

Die Figur ist realistisch gestaltet, entspricht durch die Körperhaltung aber nicht einem typischen und heroischen Denkmal und bleibt durch das verdeckt nach unten geneigte Gesicht anonym. Der Mann wird nicht in Ausübung seiner Tätigkeit gezeigt und trägt außer der Arbeitskleidung auch nicht üblichen Attribute zur Charakterisierung, wie z.B. einen schweren Hammer. Vielmehr strahlen die kniende Haltung und der geneigte Kopf Demut aus. Möglicherweise spielt der Künstler damit auf den Umstand an, dass nach dem verlorenen Krieg die Arbeit auf der Werft keineswegs selbstverständlich war. Die Sieger hatten nämlich verlangt, dass sämtliche Produktionsanlagen vollständig demontiert werden, damit die Fertigung von Rüstungsgütern unmöglich werden solle. Nur mühsam konnten sie davon überzeugt werden, dass die Werften für das Überleben der Stadt notwendig waren.

Formal zeigt die Plastik eine spannungsreiche Inszenierung des menschlichen Körpers. Obwohl der Arbeiter als Mensch realitätsnah gestaltet ist, wirkt die Bronzeplastik fast abstrakt. Durch die kniende Haltung sind alle Teile des Körpers auf engem Raum vereint. Das rechte Knie liegt auf dem Boden auf, das linke Bein hält den Rumpf in der Balance. Der leicht seitlich geneigte Oberkörper und die beiden aufgestützten Hände ergänzen die Form. Die ganze Figur ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl von Richtungswechseln, Diagonalen und Winkeln. Entspräche die Form eines aufrecht stehenden Mensch eher einer Säule, so entsteht in der Skulptur von Walter Rössler ein Volumen, das nahezu würfelförmig ist. Die Arbeitskleidung des Arbeiters mit die groben Handschuhen, dem Helm und den kräftigen Stiefeln unterstreicht die Form.

3D-Modell:

Werftarbeiter by funix on Sketchfab (mit freundlicher Genehmigung von Henryk Furs)

Künstler/in

Walter Rössler wurde 1904 in Kiel geboren. Von 1920 bis 1924 absolvierte er eine Steinmetzlehre, besuchte dann bis 1926 die Kunstgewerbeschule in Kiel und anschließend bis 1930 die Kölner Werkkunstschulen. Nach Stationen in Halle, Dresden, Rom und Florenz arbeitete er ab 1949 wieder als freier Künstler in Schleswig-Holstein. Mehr als 30 Werke wurden öffentlich aufgestellt, u. a. in Norddeutschland, Dresden, Berlin und Florenz. Walter Rössler starb 1996.

Galerie

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