Karl-Henning Seemann: Grenze

Karl-Henning Seemann: Grenze, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2017)

Daten zum Werk

Karl-Henning Seemann: Grenze (Bronze, 1982)
Direktion der Bundespolizei, Raaberg 6, 24576 Bad Bramstedt

Beschreibung

Zwei uniformierte Männer stehen einander in fast greifbarer Nähe gegenüber und betrachten sich mit großer Ernsthaftigkeit mit Hilfe zweier Scherenferngläser – zweimal um die Ecke. Obwohl sie nur durch einen schmalen Balken in Augenhöhe voneinander getrennt sind, nehmen sie den Umweg über die Technik, statt den persönlichen Kontakt und Austausch zu suchen. Ob sie tatsächlich nicht merken, dass nur der Balken – das Brett vor dem Kopf – sie trennt, oder ob sie Abgrenzung und Argwohn nicht eher bewusst zelebrieren, bleibt unklar.

Beim Betrachter ruft die Szene Schmunzeln und Kopfschütteln zugleich hervor. Die beiden Figuren stehen einander fast wie Spiegelbilder gegenüber: Ihre fast identische Kleidung und die gleiche, gebückte Haltung lassen keine Unterschiede zwischen den beiden Lagern erkennen und überspitzen damit das Absurde der Situation.

Bildhauer Karl-Henning Seemann schuf die Bronzeplastik der beiden Grenzbeamten im Jahr 1982, als der Kalte Krieg gerade mal wieder besonders ungemütlich wurde. Ost und West standen sich unversöhnlich gegenüber, wetteiferten in jeglicher Hinsicht und standen stets kurz vor der Eskalation. Angesichts der politischen Spannungen war sein Beitrag eine gezielte Provokation, doch schien der Humor als durchaus angebracht, um das Thema plastisch darzustellen.

Aufgestellt wurde die Arbeit nicht an der innerdeutschen Grenze, sondern im weit entfernten Nordfriesland, auf dem Gelände des Bundesgrenzschutzes in Bredstedt. Als dieser Standort nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten aufgelöst wurde, bezogen die zwei Figuren ein neues Quartier vor der Direktion der Bundespolizei in Bad Bramstedt. Auch wenn der Kalte Krieg mittlerweile Geschichte ist, bleibt das gegenseitige Misstrauen der Nationen ein zeitlos aktuelles Thema.

Das Gelände der Bundespolizei ist für Besucher nicht zugänglich. Die Vorstellung der Plastik erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers und der Behörde.

Künstler

Karl-Henning Seemann wurde am 13. März 1934 in Wismar geboren. 1953–1955 studierte er an der Hochschule für Bildende und Angewandte Künste Berlin-Weißensee und 1955–1959 an der Hochschule für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg. 1959 schloss sich ein Kunsterzieherexamen an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart an. 1974–1997 war er Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Er lebt und arbeitet heute in Löchgau. In seinen Plastiken und Skulpturen ist es ihm wichtig, die Figuren in den großen räumlichen Zusammenhang mit der Architektur, dem Städtebau oder der Landschaft so einzubinden, dass sie sowohl aus großer Entfernung wirkt wie auch aus der Nähe ihre Spannung erhält. Weitere Informationen (extern): Website von Karl-Henning Seemann

Galerie

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