Richard Haizmann:
Morgenrötliche Erhebung

Richard Haizmann: Morgenrötliche Erhebung, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2017)

Daten zum Werk

Richard Haizmann: Morgenrötliche Erhebung (Bronze, 1961–1962, Neuguss von 2017 nach dem Originalgips)
Richard-Haizmann-Museum, Rathausstraße, 25899 Niebüll

Beschreibung

Ein etwas eigenwilliger Vogel hat sich auf dem Rathausplatz in Niebüll niedergelassen. Der ganze Körper ist geglättet, und die einzelnen Partien sind eher zu erahnen als zu erkennen. Der Bildhauer Richard Haizmann wollte kein naturgetreues Bild eines Vogels schaffen, sondern eher die verallgemeinerte Idee eines Vogels, die auf das Wesentliche reduziert ist. Und so ist der Vogel eindeutig als solcher zu erkennen, obwohl alles nur angedeutet ist. Die fließende Form fordert nicht nur die Fantasie der Betrachter heraus, sonder auch ihren Tastsinn, denn geglättete Figur lädt geradezu da ein, sie mit den Fingern zu spüren.

Eine ähnliche Figur fertigte der Künstler bereits dreißig Jahre früher an und nannte sie „Das Ich der Adler“. Damals versuchte er, sich auf der geistigen Ebene dem Kern der Tiere zu nähern und eine verallgemeinerte Form zu finden. Als er zu Beginn der 1960er Jahre das Thema erneut aufgriff näherte er sich von der anderen Seite: Dieses Mal war die Form selbst der Ausgangspunkt seiner Arbeit. Der Titel der neuen Arbeit – Morgenrötliche Erhebung – lehnt sich an Rainer Maria Rilkes „Zweite Duineser Elegie“ an und hebt die Poesie der Form hervor. Die unterschiedlichen Sichtweisen der ähnlichen Figuren lassen erkennen, dass der Künstler hier nicht vorrangig etwas darstellen wollte, sondern vor allem die Gefühle ansprechen und die Fantasie anregen.

Künstler/in

Richard Haizmann wurde am 18. Oktober 1895 in Villingen, Baden geboren. Ende 1922 machte er sich in Hamburg mit einer kleinen Kunstgalerie, dem Graphischen Kabinett, selbstständig. Später begann sein eigener künstlerischer Weg ohne klassische künstlerische Ausbildung: Zunächst begann er als Maler, später widmete er sich mehr der Bildhauerei und Keramik. Seine ersten größeren Ausstellungen hatte er 1925 in Hamburg und Berlin. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, einem verhängten Ausstellungsverbot und dem Tod seines Mentors Max Sauerlandt zog er sich von der Großstadt Hamburg nach Niebüll in Nordfriesland zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er in die abstrakte Formenwelt seiner frühen Schaffensphase zurück. Am 30. April 1963 starb er in Niebüll. Dort präsentiert seit 1986 das Richard-Haizmann-Museum im alten Rathaus eine Werkauswahl seiner Arbeiten.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Galerie

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